Ein spannender Einblick in die Einführung von Innovationsmanagement bei einem weltweit tätigen Automobilzulieferer

Dass auch in einem Unternehmen, das tausende Mitarbeiter beschäftigt, die Ideen jeder einzelnen Person zählen und das Potential haben, bis zur Marktreife weiterentwickelt zu werden, berichtete Dr. Mario Kolar beim Setting Milestones Projektmanagement-Stammtisch in München.

Er ist Senior Innovation Manager bei Eaton, einem weltweit führenden Anbieter von Energiemanagement-Lösungen, der in über 75 Ländern der Welt rund 95.000 Mitarbeiter beschäftigt. Dr. Kolar ist innerhalb des Konzerns vorrangig im Automotive-Bereich tätig. Als Direkt-Automobilzulieferer fertigt Eaton an über 40 Standorten von Amerika bis Asien verschiedenste Fahrzeug-Komponenten beispielsweise für Klimaanlagen, Kupplungs- und Ölkühlungssysteme bis hin zu Plastikteilen. Kurz gesagt: Es gibt wohl nur wenige Autos, in denen sich kein Eaton-Produkt befindet!

Was bedeutet Innovation für einen führenden Automobillieferanten wie Eaton?

Mit dem Zitat von Albert Einstein „If you always do what you always did, you will always get what you always got“ beschrieb Dr. Kolar gleich zu Beginn seines Vortrags, wie es definitiv nicht geht. Vielmehr bedarf es unterschiedlicher Erfolgsfaktoren, die er mithilfe einer Analyse von innovativen Unternehmen wie z.B. Apple oder BWM herauskristallisierte:

  • Grundstein ist ein kundenorientiertes Geschäftsverständnis
  • Sie haben eine klare Vorstellung, welche Rolle sie im Markt einnehmen
  • Sie setzen den Fokus auf relevante und zukunftsträchtige Kundenbedürfnisse
  • Sie setzen sich realistische Ziele
  • Sie realisieren ihre Innovationen von innen nach außen
  • Sie haben eine eindeutige und zielgerichtete Unternehmens- und Innovationsstrategie
  • Sie haben eine ausgeprägte und lebende Innovationskultur sowie einen transparenten und verbindlichen Innovationsprozess
  • Nicht allein die Produkte, Prozesse und Dienstleistungen sind die Innovation, sondern das gesamte Geschäftsmodel

Um für Eaton diese Erfolgsfaktoren aufzugreifen, Schritt für Schritt zu analysieren und daraus Maßnahmen abzuleiten, wählte Dr. Kolar den Innovation Ansatz von Horvarth & Partner. Dieser verbindet Innovationsbedarf, -leistung und -output in einem ganzheitlichen Ansatz, um zu fundierten Innovationserfolgen zu gelangen. (Eine detaillierte Beschreibung dieses Ansatzes finden Sie unter folgendem Link: https://www.horvath-partners.com/de/kompetenz/funktionale-kompetenz/strategie-innovation/innovation/)

Innovationskultu

Quelle: Horvarth & Partners Online (https://www.horvath-partners.com/de/kompetenz/funktionale-kompetenz/strategie-innovation/innovation/)

Dr. Kolar analysierte die Bereiche Innovationskultur, Projekte, Innovations-Controlling, Innovations-Strategie, Führung und Organisation bei Eaton eingehend und entwickelte daraus einen Maßnahmenkatalog zur Umsetzung, der unter anderem die folgenden Punkte beinhaltete:

  • Aus der Unternehmensstrategie wurde eine Innovationsstrategie abgeleitet, der Innovationsprozess als Projekt geplant und die für Innovation vorhandenen Ressourcen wurden klar definiert. Zeitbudgets für Innovationen wurden genauso wie die Aufgaben und Verantwortungen geklärt, eine Projektpriorisierung wurde durchgeführt, der Wissensaustausch und notwendige Schnittstellen sichergestellt.
  • Der „New Product Development“ Prozess bei Eaton wurde in drei Phasen eingeteilt, die von drei unterschiedlichen Teams abgewickelt werden. Das Team, das für die Phase „Innovation“ zuständig ist, übergibt nach Abschluss seiner Tätigkeiten an das Team „R&D“, das sich mit der Vorentwicklung der Idee beschäftigt. Dieses Team übergibt nach Abschluss dieser Phase wiederum an das „New Product Development“ Team, das die Innovation schließlich bis zum Serienstart vorantreibt. In Summe durchlaufen bei Eaton alle Innovationen 18 Schritte innerhalb dieser drei Phasen. Erfolgsentscheidend ist natürlich ein reibungsloser Know-how-Transfer zwischen den Phasen und eine gute Einbindung der Teams, um nahtlose Übergänge zu schaffen.
  • Ein ganz besonderes Augenmerk legte Dr. Kolar auf die Schaffung einer neuen Innovationskultur innerhalb des Unternehmens, die den hohen Stellenwert von neuen Ideen und Lösungsansätzen verdeutlichen und für alle Mitarbeiter sichtbar machen sollte. Er entwickelte dafür ein besonderes Wiedererkennungssymbol für Innovation – unter dem Motto „Los denken“ werden die Mitarbeiter animiert, Veränderungen anzugehen und umzudenken.
Ideenbaum mit Innovations-Logo
Innovationsmanagement

Bild: Eigens gestaltetes Innovations-Logo, um Innovation etwas „greifbarer“ zu machen. Der farbenfrohe Ideenbaum symbolisiert die Vielzahl an großen und kleinen sowie vor allem facettenreichen Ideen.

  • Darüber hinaus schuf Dr. Kolar durch die Einrichtung eigener „Innovations-Zonen“ im Betriebsgebäude neuen Raum für Innovation. Dort haben die Mitarbeiter einerseits jederzeit die Möglichkeit, ihre Ideen zu visualisieren und zu hinterlassen, können sich andererseits aber auch über aktuelle Erfolgsbeispiele, Events etc. informieren.
  • Jeder Mitarbeiter erhält ein Innovations-Journal, in dem er jederzeit seine Ideen festhalten kann.
  • Ein großer Ideenwettbewerb wurde initiiert: Alle Mitarbeiter wurden eingeladen, innovative Produkt- und Dienstleistungsideen einzureichen. Diese wurden von einer Jury anhand von vordefinierten Kriterien wie z.B. Kundennutzen, Machbarkeit oder Strategiekonformität bewertet und mussten sogenannte „Gates“ passieren, um weiter verfolgt zu werden und in eine nächste Runde zu gehen.
  • Regelmäßige Innovationsworkshops, Innovations-Cafés und Teamworkshops werden durchgeführt, bei denen Dr. Kolar auch auf ungewöhnliche Zugänge setzt, um die Motivation hoch zu halten und die Inspiration der Mitarbeiter zu fördern. So werden zum Beispiel immer wieder Technologie-Produkte der Konkurrenz eingehend gescreent oder Elektroautos Probe gefahren, um daraus selbst neue Ideen für Eaton zu entwickeln. Von zentraler Bedeutung ist ebenso die Umsetzung eines sogenannten Innovationskalenders in Form von regelmäßigen, wiederkehrenden Aktivitäten, um im Rhythmus der Innovation zu bleiben:

Innovationskalender

Bild: Frühe Version eines Jahres-Innovationskalenders, der regelmäßige Innovationsaktivitäten vorsieht

Das durch Dr. Mario Kolar neu geschaffene Innovationsmanagement bei Eaton trägt schon viele Früchte – es stehen jede Menge neue Projekte an, die bereits klassifiziert und priorisiert wurden. Dr. Kolar unterscheidet dabei in „Core Projects“ mit einem Projektstart innerhalb eines Jahres, „Beyond Projects“ mit einem erwarteten Projektstart in 1-2 Jahren, „Future Projects“, die voraussichtlich in mehr als 2 Jahren abgewickelt werden, und eine Project Pipeline, die alle Projekte, die noch nicht gestartet wurden bzw. werden, umfasst.

Doch dass das Entwickeln neuer Innovationen und Lösungsansätzen alleine nicht reicht, sondern es auch der richtigen Mannschaft bedarf, die diese Ansammlung von innovativen Ideen und Projekten auch umsetzen und bewältigen kann, unterstreicht Dr. Marion Kolar am Ende seines Vortrags ganz besonders. Er hält es mit der „Innovation Expedition“-Methode von Gijs van Wulfen wie der britische Polarforscher Sir Ernest Shakleton, der per Zeitungsannonce im Jahr 1909 furchtlose Begleiter für seine Expedition an den Südpol gesucht hat: Innovation braucht auch bei Eaton Menschen mit Mut, die bereit sind, etwas zu riskieren und neue Wege zu beschreiten.

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