Fünf Unternehmen erzählen, was in ihrer Organisation passierte, als sie sich für mehr Augenhöhe entschieden haben

 Die meisten spüren es. Die Jungen sagen es. Und die, die es hartnäckig zu ignorieren versuchen, stoßen unweigerlich darauf, sobald sie Wirtschaftsmagazine aufschlagen, den Buchmarkt verfolgen oder mit anderen diskutieren: Unsere alten Systeme sind an ihre Grenzen gelangt. Doch wohin geht die Reise? Wie wollen wir heute und in Zukunft zusammenarbeiten? Der Film Augenhöhe stellt fünf Unternehmen vor die sich aufgemacht haben…

Hier dauert die ganze Aktion eine Minute und in anderen Firmen über eine Woche“, beschreibt Felix Heckmann die Effizienz, die in seinem Unternehmen durch Eigenverantwortung und kurze Entscheidungswege entstanden ist. Heckmann ist bei allsafe JUNGFALK, einem mittelständischen Automobilzulieferer aus Baden-Württemberg, angestellt. Während die Entscheidung, ob er die vom Kunden gewünschte Pumpe bestellen könne oder nicht in anderen Unternehmen über sämtliche Instanzen müsse, könne er einfach zum Telefon greifen und die Bestellung aufgeben. Heckmann freut sich dabei nicht nur über die gesparte Zeit, sondern auch darüber zu sehen, wie seine Mitarbeiter mit dem Kontrollabbau mehr und mehr Verantwortung übernehmen.

Von Selbstverantwortung und Eigeninitiative spricht auch Alexandra Büßer. Sie ist Personalleiterin im Unilever Werk Buxtehude. An diesem Standort produziert das Unternehmen Körper- und Hautpflegeprodukte für ganz Europa. „Bei uns kann man sich nicht hinter einer Hierarchie oder einer Sie-Kultur verstecken. Ich erwarte von einer Führungskraft, dass sie aufgrund ihrer Persönlichkeit oder ihrer Argumente die Mitarbeiter erreicht – und nicht, weil sie Chef ist“, so Büßer. Egal ob bei allsafe JUNGFALK, Unilever, hhpberlin oder bei einem der weiteren Vorzeigeunternehmen dieses Films, hier scheinen Dinge anders zu laufen. Hier scheinen Dinge zu funktionieren, die anderswo undenkbar wären. „Das ist wirklich eine andere Welt“, schwärmt Linda Evenhuis, Senior Manager Learning bei Adidas AG. Hier hätte sie die Freiheit, ihre eigenen Potentiale zu entdecken und zu fördern, so Evenhuis. Als Mutter eines schulpflichtigen Kindes schätze sie außerdem die Möglichkeit, ihre Arbeit ihrer persönlichen Lebenssituation anzupassen. Dass das Entgegenkommen des Arbeitgebers sich in der Arbeitsmoral der Angestellten widerspiegelt, sieht man an Evenhuis. Die Begeisterung und Leidenschaft mit der sie über ihren Job spricht, ist ohne Zweifel spürbar.

„Augenhöhe“ ist ein Film über Unternehmen, die beschlossen haben, Dinge anders zu machen. Die daran glauben, dass Menschen, dann wirklich gut arbeiten, wenn sie das tun, was sie gut können. Die bewusst auf Kontrolle verzichten und stattdessen Vertrauen aufbauen. Die das Potential ihrer Mitarbeiter wertschätzen und deren Änderungs- und Verbesserungsvorschläge oder Produktideen aufgreifen. Die im Film vorgestellten Unternehmen haben allesamt die Frage nach dem „WIE wollen wir zusammenarbeiten?“ in den Fokus ihrer Überlegungen gestellt und ihre Strukturen danach ausgerichtet. Sie alle teilen eine starke Vision und eine hochentwickelte Unternehmenskultur. Sowohl die Vision als auch die Kultur werden als Führungsinstrumente verstanden, die traditionelles Führen über Hierarchien ersetzen.

Dass es möglich ist und dass man dabei auch noch wirtschaftlich erfolgreich sein kann, zeigen diese Unternehmen. Dass es herausfordernd sein kann, insbesondere für Konzerne, davon spricht Thomas Sattelberger, ehemaliger Telekom-Vorstand und Querdenker in der Management-Szene, in seinem Interview in diesem Film. Er vergleicht die Trägheit großer Unternehmen mit der eines Ozeandampfers, weist aber auch darauf hin, dass sich große Unternehmen gerade deswegen der Herausforderung, sich den komplexen Einflüssen der Umwelt anzupassen – permanent und ohne die Brüche zu groß werden zu lassen, insbesondere annehmen müssen.

Unserer Meinung nach ist es dem Team gelungen, mit seinem 53-minütigen, übrigens über Crowdfunding finanzierten Film, einen wertvollen Diskussionsanstoß über alternative Unternehmensführung zu schaffen. Anstatt Experten lässt Brandes die Betroffenen zu Wort kommen und interviewt Fertigungsarbeiter, Abteilungsleiter, Reinigungskräfte, Freelancer und Geschäftsführer gleichermaßen. Das Bild der vorstellten Unternehmen ist ähnlich: sie alle gehen alternative Wege, die für ihre Mitarbeiter die einzig möglichen geworden sind und sie sind wirtschaftlich erfolgreich. Die vorgestellten Zugänge sind einfach und interessant zugleich, deren Auswirkungen zum Teil erstaunlich und die visionäre Haltung und Konsequenz der Geschäftsführer bewundernswert. Damit ist der Film „Augenhöhe“ für uns mehr als nur ein Denkanstoß, sondern auch Ideengeber und Mutmacher Dinge anders zu machen.

 

Den Film können Sie sich hier ansehen:

 

BUCHTIPPS:

Ulf Brandes hat sich dem Thema alternativer, partizipativer Unternehmensführung auch in seinem Buch „Management Y: Agile, Scrum, Design Thinking & Co.: So gelingt der Wandel zur attraktiven und zukunftsfähigen Organisation“ angenommen. Anhand 24 griffiger, übertragbarer Veränderungsbeispiele ermutigt er darin Mitarbeiter und Manager, den Wandel zu beginnen. Prädikat: wertvoll!

Das Buch können Sie hier kaufen.

 

 

Detlef Lohman ist Geschäftsführer eines der im Film vorgestellten Unternehmen, nämlich allsafe JUNGFALK. In seinem Buch, „Und mittags geh ich heim. Die völlig andere Art ein Unternehmen zum Erfolg zu führen“, stellt erzählt er, wie er es mit seinem Unternehmen geschafft hat, jenseits jeglicher klassischen Management- und Organisationsentwicklungslehre sein Unternehmen zum Erfolg zu führen.

Das Buch können Sie hier kaufen.

 

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